Die Klimastrategie der BayWa

Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Die BayWa AG als international tätiges Handels- und Logistikunternehmen im Bereich Agrar, Energie und Bau ist in besonderem Maße vom Klimawandel und seinen Auswirkungen betroffen, kann aber gleichzeitig einen großen Beitrag zu seiner Begrenzung leisten. Im Berichtsjahr hat die BayWa AG eine Klimastrategie erarbeitet und verabschiedet. Ziel ist es, bis 2025 die Treibhausgasemissionen aus Standorten, Firmenwagen und eigener Logistik um 22 Prozent gegenüber 2017 zu reduzieren. Prof. Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender der BayWa AG und Ressortverantwortlicher für den Bereich Corporate Sustainability, spricht über das Engagement des Konzerns beim Klimaschutz sowie die Schritte und Herausforderungen auf dem Weg zur Zielerreichung.

Herr Lutz, die BayWa hat gerade ihre erste Klimastrategie verabschiedet – was genau soll passieren?

Lutz: Das Kernziel ist die Reduzierung unserer CO2-Emissionen in den zentralen Bereichen Energie und Mobilität um 22 Prozent. Und das bereits bis 2025, wohlgemerkt im Vergleich zum Jahr 2017.

Spätestens seit den Beschlüssen des Pariser Klimagipfels von 2015 ist Klimaschutz in aller Munde. Viele Unternehmen und Institutionen setzen sich Klimaziele, gibt es denn etwas, was die BayWa hier von den anderen unterscheidet?

Lutz: Erst einmal ist es ja begrüßenswert, dass sich viele auf den Weg machen. Dennoch freue ich mich, und bin auch ein wenig stolz darauf, dass wir uns künftig als einer von bislang wenigen Akteuren am 2018 veröffentlichten Report des von den Vereinten Nationen sanktionierten IPCC orientieren. Dieser Report hält einen 1,5-Grad-Pfad für nötig und realistisch. Wir beider BayWa schließen uns dieser ambitionierten Zielsetzung an und wollen diese mit allen Kräften unterstützen.

Was bedeutet das konkret?

Lutz: Wir haben uns nicht nur ein Ziel gesteckt, sondern stützen das durch weitere, klar messbare Zusatzziele. So wollen wir nicht nur Emissionen reduzieren, sondern ganz konkret auch den Energieeinsatz herunterfahren: Die BayWa wird den Energieeinsatz um 22 Prozent bis 2025 reduzieren. Dieser Energieeinsatz wird in Relation zum operativen Ergebnis, genauer gesagt EBITDA¹, gestellt. Wir wollen die steigende Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen der BayWa bedienen, jedoch nicht auf Kosten des Klimas. Das bedeutet für uns, dass wir kontinuierlich daran arbeiten zu wachsen, unser Wachstum aber vom Energieeinsatz zu entkoppeln. Um die Ziele zu erreichen, werden zahlreiche Maßnahmen in den Bereichen Mobilität und Gebäudeergriffen. Wir reden hier z. B. von Streckenoptimierung, der Modernisierung des Fuhrparks und dem verstärkten Einsatz von E-Mobilität genauso wie von Dämmung, Energieeffizienzmaßnahmen an Gebäuden oder dem Einsatz moderner und effizienter Heiz- und Kühlanlagen. Das zieht natürlich auch entsprechende Investitionen nach sich. Als weiteren, sehr wichtigen Baustein setzen wir auf den verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien. Bis 2020 werden 100 Prozent des Strombedarfs der BayWa aus erneuerbaren Energien gedeckt werden.

Welche Rolle spielt das Feld der erneuerbaren Energien bei der Klimastrategie?

Lutz: Eine ganz besondere Rolle. Bei der Energiewende sind wir buchstäblich von der Stunde null an dabei, zunächst mit der Renerco, jetzt mit der BayWa r.e. Wir sehen das unternehmerisch ganz pragmatisch: Erneuerbare Energien werden sowohl national als auch international mehr und mehr nachgefragt, das Potenzial ist da, und
gleichzeitig schaffen wir hiermit für die gesamte Gesellschaft eine größere Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Eine klassische Win-win- Situation. Deshalb wollen wir den eingeschlagenen Weg konsequent weiterverfolgen. Wir haben uns im Rahmen der Klimastrategie außerdem das Zusatzziel gesteckt, bis 2025 weltweit neue Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien mit 10 Gigawatt Leistung zu bauen bzw. zu vertreiben. Das ist genug, um sechs bis sieben Millionen Haushalte zu versorgen. Mir ist dabei eines besonders wichtig: Wir stellen nicht nur
saubere Energie zur Verfügung, wir zeigen als BayWa auch neue Wege auf, wie der Ausbau der erneuerbaren Energien zukünftig noch wirtschaftlicher zu gestalten ist, und geben damit sicherlich auch Input für andere Akteure.

Das klingt ja alles sehr positiv. Aber wie man so schön sagt: Papier ist geduldig und die Ziele, die darauf stehen, auch. Wie wird die BayWa, wie werden Sie dafür sorgen, dass die Ziele auch erreicht werden?

Lutz: Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit sind Dinge, die zusammengehören. Nachhaltigkeit bedeutet für mich deshalb auch, dass man nur das verspricht, von dem man auch weiß, dass man es halten kann. Bei der Berechnung der Reduzierungspfade haben wir deshalb nichts dem Zufall überlassen. Unser Klima-Fahrplan wurde nach aktuellen Erkenntnissen der Klimawissenschaft auf Grundlage der Science Based Targets Initiative berechnet.

Klimaschutz und Nachhaltigkeit funktionieren in Unternehmen erfahrungsgemäß nur dann, wenn alle mitziehen. Wie soll das in einem weitverzweigten Konzern wie der BayWa funktionieren?

Lutz: Auch wenn das unsere erste umfassende Klimastrategie ist, fangen wir nicht bei null an: Die Klimastrategie ist eingebettet in unsere Nachhaltigkeitsstrategie, die wir schon seit einigen Jahren verfolgen. Aber Sie haben Recht: Natürlich ist die Herausforderung bei einem Konzern wie der BayWa mit ihren vielen Bereichen größer als bei einem Unternehmen, das sich nur auf ein Produkt oder eine Produktgruppe fokussiert. Und richtig ist auch: Nur wenn alle mitziehen, erreichen wir unsere Ziele. Wir haben neben dem bereits etablierten, abteilungsübergreifenden Steuerkreis Nachhaltigkeit ein weiteres Gremium etabliert, das den Steuerkreis optimal ergänzt: die Arbeitsgruppe Klima. Sie hat bereits bei der Entwicklung der Klimastrategie mitgewirkt und ist verstärkt operativ ausgerichtet. Unsere Klimaziele stehen auf einem festen Fundament, bei der alle wesentlichen Abteilungen eingebunden sind.
Alles andere wäre eine reine Kopfgeburt.

Wir haben über ambitionierte Ziele, Schritte auf dem Weg dorthin und mögliche Herausforderungen gesprochen. Eine etwas grundsätzlichere Frage: Warum engagiert sich die BayWa überhaupt in diesem Bereich?

Lutz: Da muss man sich die Geschichte der BayWa ansehen. Seit der Gründung der BayWa 1923 orientieren wir uns an den Grundbedürfnissen der Menschen: Ernährung, Wohnen und Mobilität. Diese Handlungsfelder sind schon
immer zentral für eine nachhaltige Zukunft. Dadurch kommt einem Unternehmen wie der BayWa eine besondere Verantwortung zu; gleichzeitig haben wir nun aber auch schon fast 100 Jahre Kompetenz in genau diesen Feldern. Ein zweiter wichtiger Aspekt zeigt sich in unserem Claim: „Verbundenheit schafft Erfolg.“ Sowohl die unternehmerischen Ziele der BayWa, als auch die globalen Nachhaltigkeitsziele sind nur durch Kooperation, Vertrauen und Partnerschaft zu erreichen. Wir setzen auf Vernetzung, wir nehmen eine zentrale Position am Markt ein und können, wie gerade schon erwähnt, unseren Einfluss in die Bereiche Ernährung, Energie und Mobilität bis tief in die Wertschöpfungsketten hinein ausüben.

Am Ende ist die BayWa aber auch ein Unternehmen, welches Gewinne einfahren und wachsen will …

Lutz: … natürlich! Aber das steht nicht im Gegensatz zu dem, was ich gerade gesagt habe. Im Gegenteil: Ich betrachte nachhaltiges Wirtschaften als Übernahme von globaler Verantwortung. Unser Engagement resultiert aus der Überzeugung, dass Unternehmen nur dann erfolgreich bleiben können, wenn sie globale Zusammenhänge und Entwicklungen in ihr Handeln übertragen und Verantwortung für die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit übernehmen. Anders gesagt: Wer nicht nachhaltig wirtschaftet, wird morgen möglicherweise gar nicht mehr wirtschaften.

Stichwort persönlicher Einsatz: Was bedeutet Klimaschutz denn für Sie?

Lutz: Das kann ich kurz machen: Aus meiner Sicht ist der Klimawandel das größte menschliche Problem der Gegenwart. Und für eines unserer Kerngeschäfte gesprochen: Was bedeutet das für unsere Landwirtschaft? Nur durch den globalen Warenhandel ist es möglich, dass es im Sommer 2018 bei der Dürre und den Ernteausfällen keine Hungersnot in Mitteleuropa gab, das wäre vor 200 Jahren sicherlich so gekommen. Nun ist aber der Klimawandel ein globales Phänomen – das heißt, wenn sich überall das Wetter so verändert, dass Missernten häufiger werden, können wir unsere Probleme nicht mehr einfach durch verstärkten Import lösen. Was passiert dann? Die Probleme sind komplex, und wir sind gut beraten, diese Komplexität ernst zu nehmen und zu differenzieren, statt nach einfachen Lösungen zu suchen. Von daher kann ich meine persönliche Sicht auf den Klimawandel hier nicht ganz von der Sicht des Vorstandsvorsitzenden trennen.

Klimaschutz ist das eine – aber trotz aller Anstrengungen wird der Klimawandel nicht mehr vollständig aufzuhalten sein. Wie reagiert die BayWa darauf?

Lutz: Die Anpassung an den Klimawandel erfordert eine genaue Analyse. Wir arbeiten hier u. a. mit dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung zusammen und stellen alles auf den Prüfstand. Unsere Erkenntnisse teilen wir mit unseren Kunden, Partnern und sonstigen Stakeholdern. Denn wir sind auch hier darauf angewiesen, dass wir alle an einem Strang ziehen. Wir werden die Klimastrategie dafür nutzen, uns proaktiv auf die ökonomischen und ökologischen Folgen des Klimawandels vorzubereiten und die Klimaresilienz der BayWa, ihrer Kunden und Partner, aber auch der Gesellschaft insgesamt zu steigern.

Der Klimawandel und die Anforderungen im Klimaschutz unterliegen stetigen Veränderungen – können Sie uns einen kurzen Ausblick geben, wie sich die Klimastrategie weiterentwickelt?

Lutz: Sicherlich werden wir in kommenden Jahren das Thema Resilienz mehr und mehr bearbeiten müssen und hier immer wieder neue Lösungen für auftretende Probleme finden müssen. Das ist relevant für unser Geschäft, unsere Kunden und die Gesellschaft. Im Bereich Emissionen werden wir in den nächsten Monaten daran arbeiten, unsere
vor- und nachgelagerten Emissionen genau zu kennen und Einsparpotenziale zu identifizieren und auch dafür Ziele zu formulieren. Dies gilt insbesondere für die von uns beauftragten Logistikaktivitäten. Unser langfristiges Ziel ist es, die Klimaneutralität der BayWa bis 2030 zu erreichen.