Die Klimastrategie der BayWa

Das Jahr 2019 war weltweit von der Diskussion um die Dringlichkeit des Klimaschutzes geprägt. Das Thema beunruhigt Wirtschaft und Gesellschaft in wachsendem Maße. Auch der im Januar 2020 vorgelegte Risikobericht des Weltwirtschaftsforums zeigt: Die fünf größten Risiken für die Welt resultieren aus den Folgen des Klimawandels. Die BayWa AG hat vor drei Jahren beschlossen zu handeln und eine konzernweite Klimastrategie erarbeitet. Sie wurde im Nachhaltigkeitsbericht 2018 ausführlich vorgestellt. Ihr Kernziel: Bis 2030 soll die gesamte BayWa klimaneutral sein. Prof. Klaus Josef Lutz, Vorsitzender des Vorstands der BayWa AG, berichtet von der Umsetzung und davon, welche Erfolge und welche Wirkungen die Klimastrategie der BayWa bisher erzielte.

Herr Lutz, welche Reaktionen gab es, nachdem Sie die Klimastrategie mit ihrer ambitionierten Zielsetzung vorgestellt hatten?

Lutz: Intern gab es sehr positive Reaktionen, extern wurde unser Engagement aber nur sehr verhalten kommentiert. Um ehrlich zu sein: Ich hatte mehr erwartet. Allerdings hat die erfolgreiche Platzierung unseres ersten Green Bonds in Höhe von 500 Millionen Euro deutlich gezeigt, dass Investoren ein großes Interesse an grünen Alternativen haben und das Geschäftsmodell der BayWa besonders im Bereich der erneuerbaren Energien als sehr chancenreich bewerten. Mit dem Emissionserlös werden wir neue Wind- und Solarenergieanlagen weltweit finanzieren und bestehende ausbauen.

Warum, meinen Sie, haben die Mitarbeiter der BayWa die Klimastrategie begrüßt?

Lutz: Für die Mitarbeiter wird es immer wichtiger in einem Unternehmen zu arbeiten, das Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft übernimmt. Das erfahre ich im direkten Austausch mit ihnen und kann es auch am umweltbewussten Verhalten der Mitarbeiter gut beobachten. Immer mehr kommen mit dem Fahrrad zur Arbeit oder beteiligen sich an entsprechenden Demonstrationen. Das Thema Nachhaltigkeit stand 2019 auch im Fokus unserer jährlichen Leadership Conference. Ganz konkret ging es um die Folgen des Klimawandels für die BayWa. Die operativen Bereiche bekommen diese oft sehr direkt mit. Das Commitment der Managerinnen und Manager war hier sehr klar: Nachhaltigkeit wird zum Business-Treiber im BayWa Konzern!

Das klingt, als ob schon alle Mitarbeiter von der Notwendigkeit rascher und konsequenter Schritte im Klimaschutz überzeugt wären?

Lutz: Ganz so ist es nicht. Wir sind ein Konglomerat: internationales Business in den Bereichen Agrar oder erneuerbare Energien betreiben wir genauso wie ein eher traditionell geprägtes Agrargeschäft oder den Handel mit Heizöl in Deutschland oder Österreich. Dementsprechend gibt es gerade auch bei der Umsetzung des Klimaschutzes verschiedene Ansichten und Meinungen. Manche Mitarbeiter sind progressiv und bewerten unser Engagement als Chance, andere sind noch eher zurückhaltend.

Dessen ungeachtet machen wir immer beste Erfahrungen, wenn wir die Expertise aus den drei Bereichen Agrar, Bau und Energie zusammenführen, um bereichsübergreifende Lösungen für den Klimaschutz zu entwickeln. Da ist unsere Vielfalt eine enorme Stärke. In Afrika haben wir in Sambia beispielsweise mit Experten aus allen drei Bereichen eine solarbetriebene Bewässerungsanlage aufgebaut, die digital gesteuert wird und sowohl Wasser als auch Energie einspart. Das Beispiel zeigt sehr gut, wie wir uns gemeinsam weiterentwickeln können.

In welchen Geschäftsfeldern der BayWa bestehen die größten Hebel zur Erreichung der anspruchsvollen Klimaziele?

Lutz: Da ist allen voran die BayWa r.e. zu nennen mit ihrem Kerngeschäft der Planung, Entwicklung, Realisierung und Veräußerung von Windund Solarparks sowie deren technischer und kaufmännischer Betriebsführung und der Vermarktung der erzeugten Strommengen. Sie trägt nicht nur maßgeblich zur Erreichung unserer Klimaziele bei, sondern auch zum Gelingen der Energiewende in Deutschland und in anderen Ländern. Seit 2019 arbeitet die BayWa r.e. klimaneutral – ein Ziel, das wir für den gesamten Konzern bis 2030 erreichen wollen.

Auch im Geschäftsfeld Global Produce sind heute schon alle deutschen Standorte klimaneutral. Die internationalen ziehen nach: bei TFC Holland in den Niederlanden wird seit 2019 klimaneutral gearbeitet und unsere Konzerntochter T&G Global in Neuseeland führt kontinuierlich Maßnahmen durch, um die THG-Emissionen effektiv zu senken. Hervorzuheben ist, dass all dies nicht nur durch den Kauf hochwertiger Klimaschutzzertifikate
erreicht wurde. Denn zunächst verfolgen wir bei allen Aktivitäten den Grundsatz der Vermeidung und Reduktion, erst danach greifen wir auf die Möglichkeit der Kompensation zurück. Global Produce beispielsweise hat in den vergangenen Jahren verstärkt in Energieeffizienzmaßnahmen investiert.

Gibt es auch Geschäftsbereiche, in denen die Klimaziele nur schwer umzusetzen sind?

Lutz: Natürlich befinden sich der Agrarbereich oder die klassischen Energien in einer deutlich schwierigeren Ausgangsposition als Geschäftsbereiche, deren Kerngeschäft eng mit dem Klimaschutz verknüpft ist. Der Trend geht zu immer größeren Betrieben, die im europäischen Vergleich sehr kleinteilige deutsche Landwirtschaft gerät unter immer größeren Wettbewerbsdruck. Zugleich steigen die Anforderungen an Nachhaltigkeit, auch wenn nur wenige Verbraucher tatsächlich bereit sind, höhere Erzeugerpreise zu bezahlen. Viele konventionell wirtschaftende Landwirte fühlen sich deshalb zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Als Partner der Landwirte sieht sich die BayWa hier zweifach gefordert. Wir wollen die konventionellen Landwirte befähigen, wettbewerbsfähiger zu werden und zugleich einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Dabei kann die Digitalisierung enorm helfen. Unsere Tochter FarmFacts bietet beispielsweise ein System, das die Landwirte unterstützt, die richtigen Daten zu erfassen, sie intelligent zu nutzen und damit die Prozesse auf dem Hof wie auf dem Feld zu optimieren, um ertragreich und zugleich ressourcenschonend zu arbeiten.

In den letzten Monaten haben wir zudem eine Reihe von internen Workshops durchgeführt und bereichsübergreifend an Lösungen gearbeitet, wie Landwirtschaft klimaresilienter werden kann. Jetzt wollen wir die Ansätze konkretisieren und prüfen einen internationalen Roll-Out nach. Für die Bereiche Agrar und klassische Energie haben wir außerdem bereits Maßnahmen identifiziert, die einen Beitrag zu unseren Zielen leisten. Im Fokus stehen die Erhöhung der Energieeffizienz an unseren Standorten sowie die Optimierung und Elektrifizierung des eigenen Fuhrparks.

Mit welchen Maßnahmen stellen Sie sicher, dass die Klimaziele im Unternehmen konsequent verfolgt werden?

Lutz: Ganz entscheidend trägt dazu unsere Stabsabteilung Corporate Sustainability bei. Sie ist dafür verantwortlich, die Bereiche bei der Identifizierung von CO2-Einsparpotenziale im Konzern und bei der Entwicklung von Maßnahmen zu unterstützen sowie deren Ergebnisse zu überwachen. Ein wichtiger Meilenstein nächstes Jahr ist die Bereitstellung von finanziellen Mitteln für Klimaschutzmaßnahmen. Hier spielt Corporate Sustainability ebenfalls eine wichtige Rolle. Denn bei einem weit verzweigten Konzern wie der BayWa bedarf es zuverlässiger interner Prozesse, die sicherstellen, dass die verfolgten Maßnahmen wirksam sind und das Geld effizient eingesetzt wird. Ich bin sicher, dass wir mit all den Maßnahmen und organisatorischen Vorkehrungen auf einem sehr guten Weg sind, unser langfristiges Ziel zu erreichen und mit dem gesamten BayWa-Konzern im Jahr 2030 klimaneutral zu sein.